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Gesicht, mein Gesicht:
wessen bist du; für was für Dinge
bist du Gesicht?
Wie kannst du Gesicht sein für so ein Innen?

Der wunderbare Anfang dieses Gedichts von Rainer Maria Rilke weist uns auf ein Geheimnis hin, das wir kaum ausloten können.

Der Aszendent im Horoskop

Haben Sie schon einmal etwas länger im Spiegel Ihr Gesicht betrachtet? Ist Ihnen aufgefallen, dass wir alle zwei unterschiedliche Gesichtshälften haben?

Ja, Gesicht, wofür bist du Gesicht? Was verbirgt sich hinter dem, was wir sehen? Was findet hier seine äußere Ausdrucksform?

C.G. Jung spricht von der Persona, die wir im Laufe des Lebens entwickeln. Sie ist vergleichbar einer Maske, die wir tragen, einer Rolle, mit der wir das Leben zu meistern versuchen.

Nun werden Sie sagen, mit dem Gesicht werden wir ja geboren,unser Gesicht verändert sich, wir werden älter, bekommen Falten. Und doch: Gesicht wofür bist du Gesicht?

In der Astrologie sprechen wir von dem Aszendenten, jenem Tierkreiszeichen, das im Moment der Geburt am östlichen Himmel aufsteigt. In der ersten Lebenshälfte drückt sich der Aszendent vor allem auf der körperlichen Ebene und in wiederkehrenden Erfahrungen mit der Umwelt aus.
Interessanterweise wird dem Aszendenten auch die körperliche Erscheinung zugeordnet. Damit sind wir wieder beim Gesicht.
Wir entwickeln die oben genannte Persona, die häufig die Qualitäten des jeweiligen Aszendenten widerspiegelt, aber innerlich fühlen sich diese Qualitäten oft als nicht zu uns gehörend an.
Sie kennen das, wenn man nach einer langen Nacht morgens in den Spiegel schaut und sagt: „Kenn ich nicht, wasch ich trotzdem.“
Aber nicht nur nach solch langen Nächten haben wir den Kontakt zu uns, zu unserem Gesicht häufig verloren.

Erst in der zweiten Lebenshälfte, wenn wir sehen müssen, dass unser Gesicht sich verändert hat, dann spüren wir deutlicher jenen inneren Wegweiser, den wir bis dahin nur im Außen erlebt haben, erkennen wir allmählich, dass das, was da von draußen auf uns zukommt, das Kernthema unserer persönlichen Bestimmung anzeigt, die es zu erfüllen gilt.

Manchmal bekommen wir dann auch einen anderen Zugang zu unserem Gesicht.
Früher sagte man von jemandem, der mehr sehen konnte, als die anderen: „Er/Sie hat das Gesicht.“ Gesicht hat also auch etwas mit sehen können zu tun. So legt uns das Ende des Gedichts auch nahe, um Klarheit zu bitten, denn das Nicht-Gesicht ist Teil unseres Dunkels, der Teil, den wir nicht schauen wollen.


Ich nehme an, Sie sind verwirrt vor lauter Gesicht und Nicht-Gesicht.

Vielleicht ist ja unser Gesicht genauso wie der Aszendent im Horoskop der Wegweiser zu uns selbst.

Schauen Sie mal wieder in den Spiegel!

Wer nicht weiß, welchen Aszendenten er hat, kann sich sein Horoskop unter www.astro.com berechnen lassen ( wichtig ist dabei die Geburtszeit). Und dann kann man bei der Astrologin Anita Cortesi eine Kurzdeutung zum eigenen Aszendenten anschauen.

Wer dann noch wissen will, in welchem Zusammenhang Sonne und Aszendent stehen, der liest dies am besten in dem Artikel von Brigitte Herbst nach.

Das vollständige Gedicht von Rilke finden Sie hier Gedicht.