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In den letzten Wochen waren mehrere Männer bei mir in der Beratung, die alle mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen haben: Sie haben in ihrem bisherigen Leben noch nicht zu ihrer eigenen Männlichkeit gefunden. Nein, es waren nicht, wie Sie jetzt vielleicht denken, Softies. Es waren ganz normale Männer, die festgestellt haben, dass sie mit Frauen immer wiederkehrende Erlebnisse hatten. Je nach Alter waren dies Begegnungsschwierigkeiten mit Frauen oder eine nach anfänglicher Euphorie eintretende Entfremdung von einer Partnerin, die sie sich nicht erklären konnten.

Ein Blick ins Horoskop zeigte dann, dass es sich entweder um sehr wasserbetonte Männer handelte, die ihren Mond in einem Wasserzeichen, also Krebs, Skorpion oder Fische hatten oder dass sie von ihrem Wesen her sehr auf die Begegnung mit anderen ausgerichtet waren (manchmal angezeigt durch eine starke Besetzung des 7. Hauses) und nur schwer ihr Eigenes spüren konnten. In allen Fällen zeigte sich im Gespräch, dass die innere Orientierung sehr auf die eigene Mutter ausgerichtet war.

In diesem Zusammenhang erinnerte ich an den Mythos von Uranos und Saturn. Saturn war der jüngste Sohn von Uranos, dem gestirnten Himmel und Gaia, der Erde. Uranos zeugte fortwährend Kinder, die Kyklopen, die Gaia aber nach der Geburt ins sich zurücknehmen musste, weil sie nicht den Idealvorstellungen von Uranos entsprachen. Als ihr dies zuviel wurde, forderte sie ihre Kinder auf, gegen den Vater aufzubegehren und ihn zu entmannen. Saturn /Kronos folgte dieser Aufforderung - Ja, Mutter ich tue es - und entmannte seinen Vater mit einer Sichel im Schlaf und warf sein Geschlecht ins Meer.

Wie aktuell dieser Mythos ist, zeigte sich in den Beratungsgesprächen, in denen die Männer immer von einem sehr gespaltenen Verhältnis zu ihren Vätern sprachen. Häufig bedingt durch Lebenssituationen, in denen der Vater nicht anwesend war, entwickelte sich bei den Männern eine Orientierung am Mütterlichen, die man schon seismographisch bezeichnen kann. Das will heißen, dass die inneren Antennen unbewusst auf die Reaktionen der Mutter, ihr Wohlwollen und Wohlbefinden ausgerichtet waren, mit der Folge, dass sich kein eigenes Gefühl (" Ich als Mann") entwickeln konnte, der wilde Mann im Innern sogar als bedrohlich empfunden wurde. Die Schwierigkeiten in Begegnungen mit Frauen scheinen daraus zu resultieren, dass jede Frau der Mutter unbewusst ihren Platz streitig macht.

Tja, Sie können jetzt sagen, das ist ja nichts Neues. Davon hat Freud schon im Zusammenhang mit dem Ödipus-Komplex gesprochen. Und doch scheint mir das etwas zu kurz gegriffen. Es geht hier nicht um eine unterschwellige Sexualisierung der Mutter, sondern vielmehr um den Verlust an männlicher Orientierung. In diesem Zusammenhang erscheint es mir bedeutsam, dass in unserer Gesellschaft heute jedes fünfte Kind nur von seiner Mutter aufgezogen wird.

Sicherlich hat nicht jeder Mann mit diesem Thema zu tun, aber wenn er - anlagebedingt und im Horoskop erkennbar - für sich diesen Bereich klären will, scheint eine Auseinandersetzung mit dem Männlichen unabdingbar. Helfen kann hier ein Blick auf die alten Stammeskulturen, in denen heranwachsende Jungen von den Männern nach einer Prüfung in einem Ritual in die männliche Welt eingeführt wurden. (Vor kurzem gab es dazu noch einen Film im Fernsehen über die Kameltreiber der Tuareg, die ihre Söhne auf die erste Karawane mitnahmen). Helfen kann auch eine Bestandsaufnahme, wie es eigentlich um den eigenen inneren Mann bestellt ist. Eine Fantasiereise zum inneren Mars kann hier hilfreich sein.

Für die Mütter von Söhnen scheint es mir unabdingbar, dass sie den Kontakt zu den Vätern fördern und die Söhne nicht länger als erforderlich an sich binden. So traurig das für die Mütter ist, aber je mehr sie den Abnabelungsprozess der Söhne geschehen lassen, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese dann mit leichterem Gepäck reisen.

Zum Schluss noch zwei Literaturtipps:

Robert Bly: Der Eisenhans, ISBN: 3426840170
James Hollis: Im Schatten des Saturn, ISBN: 3423361611