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Ich möchte im folgenden versuchen, das Zusammenspiel von Sonne und Mond als Teil des Individuationsprozesses darzustellen, in dem beide Anteile sich verändern, befruchten und letzlich etwas Neues entstehen lassen.

Bei der Zeugung inkarnieren wir in einem physischen Körper, der aus den gleichen Baustoffen wie unsere Erde besteht. Dieses Gefäß der physischen Verkörperung wird im Horoskop durch den Mond symbolisiert.

conjunctio1Zur Mondwelt gehören auch unsere Instinkte und Emotionen. Emotionen werden nach den Ergebnissen der Neurophysiologie durch chemische Reaktionen in unserem Gehirn ausgelöst. Dabei besteht die Tendenz, frühkindliche Erfahrungen im Laufe des Lebens immer zu wiederholen. Neurophysiologisch heißt das, dass bestimmte Areale unseres Gehirns immer wieder angesprochen werden. Es gibt bestimmte Rezeptoren, die in bestimmten Situationen immer wieder an bestimmte Bereiche andocken. Diese Bereiche haben die Tendenz, sich zu vergrößern: es werden bei wiederholter Erfahrung mehr Zellen gebildet, die wiederum mehr Andockstellen als die alten Zellen besitzen.( siehe dazu auch den Film : What the bleep do we know)

Im Laufe des Individuationsprozesses geht es darum, neue, unbekannte Areale unseres Gehirns zu nutzen. Dies ist ein progressiver Prozess, den man mit dem Sonnensymbol gleichsetzen könnte.

Mondmäßig reagieren wir aus den alten Arealen heraus, machen immer wieder die gleiche Erfahrung, egal, wie schlimm sie auch sein mag. Man könnte hier von Reaktionen sprechen, die bisherige Erfahrungen konservieren und festigen.

In der Instinktwelt des Mondes geht es nicht um Bewusstseins-erweiterung, sondern um ein Angebundensein an das Uroborische. Hier wird man dann von Emotionen des Glücks und der Trauer hin und her geworfen, alles aus dem Wunsch heraus nach Geborgenheit. Gespeist wird diese Sehnsucht aus dem Einheitsgefühl, das wir vor unserer Geburt erlebten.

Mondhaftes Handeln zielt darauf ab, diese Gefühle wieder zu erleben. Die Herausbildung des ICH, der immer größer werdenden Abnabelung von der Welt der Mütter, erzeugt zunächst ein Gefühl des Getrenntseins, was oft als schmerzlich empfunden wird.

conjunctio2Der erste Teil unserer Sonnenreise ist (und muss sein) ein Weg der Eitelkeiten, denn nur wer sich als Schöpfer, als eigenständiges Wesen betrachtet, kann den Weg nach Hause antreten.

Die Leere, die das Agieren im Außen bei vielen hinterlässt, ist der Anlass für den apollinischen Prozess der Lichtsuche. Man kann im Außen noch so viel Erfolg haben und wird im Innern doch nicht satt. Das ist der Moment, in dem sich der Sog der ursprünglichen Ganzheit bemerkbar macht, nur jetzt nicht mehr mond- und -instinkthaft, sondern der Sog der in uns wohnenden höheren Instanz, unseres Selbst, symbolisiert durch den Punkt in der Mitte des Sonnensymbols. In dem Moment, da wir uns als Kanal für etwas größeres Ganzes erfahren, ist es uns möglich, schöpferisch mit unseren Emotionen umzugehen und zu begreifen, dass wir selbst sie erschaffen haben und dass wir ihnen nicht willkürlich ausgeliefert sind.

Wir beginnen die Rolle des autonomen Beobachters einzunehmen, der unser Sein von einer höheren Perspektive aus betrachtet.

conjunctio3Wir beginnen, uns mit der lunaren Weisheit unseres Körpers zu verbinden und unsere uroborische Sehnsucht kann jetzt in unseren schöpferischen Prozess eingebunden werden.
Wir suchen unser Zuhause nicht mehr in der Welt der Eitelkeiten, genauso wie wir nicht mehr versuchen, durch die Wechselbäder der Gefühle nach Hause zum Großen Ganzen zu kommen. Unsere mondhafte Seite der Instinkte und unser sonnenhaftes Bedürfnis nach Selbstausdruck finden ihr Zuhause in der Hingabe an das Göttliche in uns selbst. In der Stille erkennen wir, dass der Weg nach Hause in uns selbst liegt, in unserem Herzen, in dem wir die Antwort auf all unsere Sehnsüchte finden.

Das Herz wird in der Astrologie der Sonne zugeordnet und unser Herz steht für Liebe. Wird Liebe zum Antrieb unseres Handelns, verändern wir unsere emotionalen Erfahrungen. Aus Liebe zu uns selbst treffen wir Herzensentscheidungen. Der Umgang mit uns und anderen wird liebevoller und liebevoll betrachten wir unsere frühkindlichen Bedürfnisse nach Angenommensein. Wir lernen, uns selber ans Herz zu nehmen und geben uns das, was wir so lange vermisst haben.

Das Zeichen und die Stellung des Mondes zeigen uns, welche Bedürfnisse von uns endlich gesehen werden wollen.

Das Zeichen und die Stellung der Sonne helfen uns zu erkennen, wofür wir in der Gesamtkomposition des Lebens gedacht sind.

An diesem Punkt angekommen findet die Conjunctio, die heilige Hochzeit von Sonne und Mond, statt. Wir übernehmen die Verantwortung für unser Leben und erschaffen unsere Wirklichkeit täglich neu.